Erstaunlicher Fund in 40 Meter Höhe

Arbeiter entdecken in der Kugel auf dem Kitzinger Marktturm eine sogenannte Zeitkapsel – und rätseln über deren Inhalt.

Manfred Hofmann von der Firma Fessler und Oberbürgermeister Stefan Güntner öffnen die Zeitkapsel im historischen Trausaal

Bauamtsleiter Oliver Graumann, Torsten Süß von der Firma Möller Manlift und OB Stefan Güntner schauen sich die Inhalte der Zeitkapsel an – unter anderem eine Kitzinger Zeitung vom 27. November 1979.

Überraschung bei den Revisionsarbeiten am Kitzinger Marktturm: In der vergoldeten Kugel fanden Manfred Hofmann und seine Kollegen von der Dachdecker-Firma Fessler eine sogenannte Zeitkapsel. Die Spannung war groß, welche Dokumente sich in dem Gefäß befinden würden. Baupläne aus der Bauzeit des Turmes, der schon im 13. Jahrhundert erwähnt wurde? Münzen oder sogar Schmuckstücke aus vergangenen Jahrhunderten?

Im Historischen Trausaal des Rathauses lüftete Oberbürgermeister Stefan Güntner das Geheimnis. Schnell stellte sich heraus, dass die Inhalte keine historischen Dimensionen hatten, aber dennoch einen spannenden Einblick in die jüngste Vergangenheit der Großen Kreisstadt gewährten.

Im Herbst 1979 haben Dachdecker offensichtlich die Schieferziegel am Marktturm ausgebessert. „Damals muss die Zeitkapsel zum ersten Mal befüllt worden sein“, sagt Manfred Hofmann, der in Kitzingen und Umgebung schon unzählige dieser Gefäße geöffnet und an den jeweiligen Besitzer übergeben hat. „Normalerweise sind diese Schatullen nur in den Kugeln auf den Kirchturmspitzen zu finden“, erklärt er. „Auf einem Marktturm habe ich so ein Dokument noch nie gesehen.“ Und noch etwas macht den Kitzinger Fund einzigartig. „Es ist die erste Kugel, die kein Einschussloch hat“, staunte Hofmann. Alle anderen Kugeln, die er auf den Kirchturmspitzen untersuchte, wurden Ziel von Freizeitschützen.

In der Kugel auf dem Kitzinger Marktturm fand sich überraschenderweise die Zeitkapsel und darin eine Kitzinger Zeitung und eine Mainpost vom 27. November 1979, außerdem Aufkleber, eine Wanderkarte, ein Rathauswegweiser, Wahlwerbung für den damaligen OB Rudolf Schardt sowie ein Kuvert mit 8.68 Mark. „Von jeder Münze, die es damals gab, ein Stück“, kommentierte Torsten Süß von der Firma Möller Manlift, die bei den Arbeiten am Marktturm ebenfalls eingesetzt ist. Mit Zeitungsausschnitten vom 12. Mai 2022, einem Schreiben des OB an seine möglichen Nachfolger und einer FFP2-Maske – als Symbol für das beherrschende Thema in den Jahren 2020 bis 2022 - wurde die Kapsel wieder befüllt. Spontan füllte Stefan Güntner zusammen mit den Beobachtern im historischen Trausaal ein Kuvert mit den aktuell geltenden Münzen und legte es ebenfalls in die Schatulle. „Mal schauen, mit welcher Währung die nächsten Finder der Zeitkapsel bezahlen“, kommentierte er.  

Zur Geschichte:

Der Marktturm war Teil der inneren Stadtbefestigung, die im 13. Jahrhundert rund um den Stadtkern errichtet wurde. 30 Türme und fünf Tore hatte die Wehranlage seinerzeit. Neben einigen Mauerresten in der Kapuzinerstraße und am Parkplatz „Schwalbenhof“ ist das 39 Meter hohe Bauwerk eines der letzten Reste, die die Zeit überdauert hat. Früher war der Wachturm Domizil des so genannten Türmers. Darüber hinaus diente der Turm auch als Gefängnis.