"Ein historischer Moment"

Mit der Einweihung des Oberen Mainkais sind die Arbeiten an beiden Mainufern der Stadt Kitzingen abgeschlossen. Einheimischen und Touristen stehen hunderte Meter zum Flanieren und Entspannen zur Verfügung.

Der Mainkai in Kitzingen ist jetzt durchgängig renoviert. Unser Bild zeigt (hinten) Ralph Schäffner vom Planungsbüro arc.grün, Christian Reifenscheid von der Firma LZR, Projektleiter Tobias Haupt vom Stadtbauamt sowie (vorne) Alexander Zeller von der Regierung von Unterfranken und Oberbürgermeister Stefan Güntner.                     

Kaum jemand kennt das Leben am Oberen Mainkai in Kitzingen so gut wie Hildegard Neumann, die vom Tourismusreferenten Walter Vierrether scherzhaft als "Mainkai-Königin" bezeichnet wird.

Den Oberen Mainkai in Kitzingen kennt wohl niemand so gut wie Hildegard Neumann. 91 Jahre jung ist die Dame, die Hofrat Walter Vierrether scherzhaft als „Mainkai-Königin“ bezeichnet. Seit 89 Jahren lebt sie am Mainkai. „Die Neugestaltung gefällt mir prima“, sagt sie. „Nur die Autos stören mich ein wenig.“

Nach drei Jahren Bauzeit ist der Obere Mainkai am 23. Juni offiziell eingeweiht worden. Von einem „historischen Moment“ sprach Oberbürgermeister Stefan Güntner, von einem Zyklenschluss. Im Vorfeld der Landesgartenschau 2011 war die Etwashäuser Mainseite umgestaltet worden, jetzt ist auch das gegenüberliegende Ufer von Grund auf saniert. „Beide Kitzinger Mainufer sind jetzt sehr ansehnlich und laden zum Verweilen ein“, so Güntner.

Fußgänger und Radfahrer können vom Feuerwehrhaus bis zur Einmündung des Oberen Mainkais in die Fischergasse auf mehr als 1000 Metern flanieren, an neu gestalteten Sitzbereichen den Blick auf den Main genießen oder die Füße ins Wasser strecken. Rund 5,8 Millionen Euro hat der Ausbau des letzten Abschnittes, vom Zugang am Gustav-Adolf-Platz bis zum Abzweig in Richtung Fischergasse gekostet, die Regierung von Unterfranken hat die Maßnahme mit rund 1,1 Millionen Euro unterstützt. Die Hauptarbeiten fanden dabei unter Wasser statt.

Im Jahr 1857 ist die Kaimauer am Oberen Mainkai errichtet worden, nach einer Teil-Sanierung 1975 war spätestens nach intensiven Untersuchungen im Jahr 2013 klar, dass der Bereich generalsaniert werden musste. Aus Sicherheitsgründen musste die Stadt den damaligen Gehweg am unmittelbaren Ufer kurz vor Weihnachten sogar sperren. Zwei Jahre später fiel der Beschluss, die Kaimauer neu zu bauen, wieder zwei Jahre später einigte sich der Stadtrat, auch die Oberflächen neu zu gestalten. Mit dem Planungsbüro arc.grün fand die Stadt einen Partner für die Oberflächengestaltung, mit der LZR eine lokal ansässige Firma, die das benötige Baumaterial auf kurzen Wegen an die Kaimauer transportierte. Alleine am Oberen Mainkai wurden 1500 Kubikmeter Beton verbaut.

„Analog zum Unteren Mainkai wurden die Oberflächenbeläge in Pflasterbauweise hergestellt“, erklärt Projektleiter Tobias Haupt vom Stadtbauamt. Die Stellplätze für die Anwohner wurden vom Mainufer weg und an die Häuserfront verlegt. „Somit konnten wir mehr Platz zum Flanieren schaffen“, betont Haupt. Wichtig war den Planern, eine hohe Aufenthaltsqualität am gesamten Mainufer auf Stadtseite zu schaffen. Sitzelemente mit integrierter Bepflanzung wurden deshalb angelegt, Treppenstufen führen bis ans Wasser heran und laden zu einer Pause ein. Insgesamt wurde zwischen 2019 und 2022 eine Fläche von 4800 Quadratmetern bearbeitet und verändert. Der Dank des Oberbürgermeisters ging denn auch nicht nur an alle beteiligten Firmen, sondern auch an die Anwohner, die drei Jahre Bauzeit vor ihrer Haustür geduldig ertrugen.

Hildegard Neumann hatte mit den drei Jahren keine Probleme. „Ich habe schon ganz andere Sache erlebt“, meinte die 91-Jährige lächelnd am Rande der Einweihungsfeier, bei der neben vielen Anwohnern auch Vertreter der beteiligten Firmen und Behörden sowie die stellvertretende Landrätin Susanne Knof anwesend waren. Den Zweiten Weltkrieg hat Hildegard Neumann als junges Mädchen am Mainkai erlebt, 1956 ihren späteren Ehemann dort kennengelernt, der mit seinen Arbeitskollegen den Fluss zum ersten Mal ausbaggerte. Lebendig und voller Leben hat die „Mainkai-Königin“ ihre Heimatstraße in Erinnerung. „Dank der neuen Gestaltung wird das bestimmt auch wieder ein lebendigerer Ort“, freut sie sich.

 

 

Die wichtigsten Daten:

Erstellung der Kaimauer: 1857

Letzte Teilsanierung: 1975

Bauzeit Generalsanierung: 20019 bis 2022

 

Die Arbeiten:

Abriss der bestehenden Kaimauer und Neubau in Stahlbetonweise auf rund 190 Meter Länge.

Neugliederung der Verkehrsflächen und des Freiraums unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit.

Herstellung Oberflächenbeläge in Pflasterbauweise analog zum Unteren Mainkai.

Verlegung der Stellplätze an die Häuserzeile. Dadurch mehr Platz für Fußgänger am Mainufer.

Sitzelemente mit integrierter Bepflanzung und zusätzliche Sitzmöglichkeiten auf der Kaimauer geschaffen.

 

Die Kosten:

Für die Gesamtmaßnahme: rund 5,8 Millionen Euro. Die Förderung durch die Regierung von Unterfranken beträgt rund 1,1 Millionen Euro.