Extreme Trockenheit: Kitzinger Feuerwehr auf Notfälle vorbereitet

Stadtbrandinspektor Matthias Gernert erklärt die besonderen Vorbereitungen – und appelliert an die Vernunft der Bürger.

Stadtbrandinspektor Matthias Gernert ruft die Bevölkerung auf, schon beim Verdacht eines Brandes die 112 anzurufen.         

Kein Regen, keine Abkühlung. Die letzten Wochen waren für Menschen, Tiere und Pflanzen eine Zumutung. Gleichzeitig steigt die Gefahr eines Brandes. Worauf die Bürger unbedingt achten sollten und wie sich die Kitzinger Feuerwehr auf mögliche Brände vorbereitet, erklärt Stadtbrandinspektor Matthias Gernert im Interview.

Haben Sie so eine extreme Trockenheit schon einmal erlebt?

Gernert: Ich bin jetzt 46 Jahre im Dienst. An eine so lange Periode ohne Regen kann ich mich nicht erinnern. Die verlangt von uns natürlich eine erhöhte Achtsamkeit und Vorbereitung.

Das heißt?

Gernert: Wir müssen uns vor allem um ausreichende Wasservorräte kümmern. Die Alarmierung und der Einsatz sind einstudiert. Wenn wir am Brandort ankommen, haben wir immerhin rund 10 000 Liter Wasser in unseren drei Einsatzwagen. Die können aber schnell verbraucht sein.

Wie lange hält so ein Wasservorrat?

Gernert: Jeder Einsatz ist anders. Es kommt darauf an, welche Materialien brennen und in welchem Ausmaß. Im Schnitt sind die 10 000 Liter nach fünf bis acht Minuten verbraucht.

Und dann?

Gernert: Dann sind wir auf Nachschub angewiesen. Die Stadtgärtner haben uns zugesichert, dass wir jederzeit auf den alten Feuerwehrwagen zugreifen können, der im Moment zum Bewässern der Bäume und Beete genutzt wird. Der ist zwar schon 50 Jahre alt, aber immer noch gut in Schuss. Das Fahrzeug fasst 8,5 Kubikmeter Wasser. Außerdem haben wir bei einem Landwirt in Hohenfeld Fässer mit 22 000 Liter untergestellt. Auf die können wir im Notfall ebenfalls zurückgreifen. Ich bin froh, dass wir im Gewerbegebiet ConneKT drei Löschwasserzisternen angelegt haben und im Innopark eine.

Gab es denn schon größere Brände in den letzten Wochen?

Gernert: Bislang sind wir glimpflich davongekommen. Drei Stoppelackerbrände, die schnell gelöscht werden konnten, ein paar Einsätze im Umland, zu denen wir hinzugerufen wurden. Im Stadtgebiet gab es bislang keine größeren Einsätze.

Weil sich die Menschen verantwortungsvoll verhalten?

Gernert: Die meisten machen das tatsächlich. Ein paar Ausnahmen gibt es leider immer: Ein Jagdpächter, der im Wald ein offenes Feuer macht, Spaziergänger, die ihre Kippen in den Straßenrand werfen.

Was sollte man auf jeden Fall vermeiden?

Gernert: Wie gesagt: Kein offenes Feuer, keine brennenden Kippen in den Wald oder aufs Gras werfen. Autos sollten nicht auf Flächen abgestellt werden, an denen noch hohes Gras wächst.

Warum nicht?

Gernert: Weil der Katalysator schnell heißt läuft und das Gras entzünden könnte. Vor dem Johannes Oerding-Konzert im Juli hat der Bauhof die gesonderten Parkflächen deshalb auch nochmal gemäht. Mitarbeiter standen mit Wasserlöschern und Kübelspritzen zur Sicherheit bereit.

 

Je früher so ein Brand gesehen und gemeldet wird, umso besser?

Gernert: Auf jeden Fall. Ich appelliere an alle Bürger, bei jedem Verdacht eines Brandes die 112 zu wählen. Lieber einmal zu viel als zu wenig. Zur Früherkennung von Bränden sind außerdem die Luftbeobachter seit etlichen Wochen im Einsatz.

Sind Mitglieder der Kitzinger Feuerwehr an Bord?

Matthias Gernert (grinst): Ja, ich bin von Anfang an, seit 1998, dabei. Am Anfang waren wir „nur“ an den Wochenenden im Einsatz. Seit etwa zehn Jahren können wir auch täglich fliegen, wenn es die Regierung von Unterfranken anordnet. Das ist – gerade bei diesen Wetterbedingungen – absolut sinnvoll und war in den letzten Wochen auch sehr oft der Fall. Eine Rauchentwicklung lässt sich schon von weitem entdecken, wir können die Kollegen am Boden rechtzeitig informieren. Etliche Stoppelackerbrände konnten so rechtzeitig erkannt und gelöscht werden, bevor größerer Schaden entstehen konnte.