Heiße Zeiten für die Winzer

Zu Besuch bei Andre Hassold im Weingut Eherieder Mühle: Trotz der klimatischen Veränderungen blickt der 33-Jährige optimistisch in die nähere und fernere Zukunft.

Andre Hassold betrachtet die Trauben in seinem Weinberg. Anfang September will er mit der Federweißen-Produktion starten.

Die Trockenheit der letzten Wochen hat ihre Spuren hinterlassen. Andre Hassold läuft durch die Zeilen am Eherieder Berg und inspiziert die Trauben. Klein und verschrumpelt sind manche und vielerorts liegen die braunen und vertrockneten Blätter schon am Boden. „Dieser Sommer war extrem“, sagt der 33-Jährige. Auf die bevorstehende Ernte schaut er dennoch optimistisch.

Andre Hassold hat das elterliche Weingut vor acht Jahren übernommen – und damit auch jede Menge Verantwortung: 13,5 Hektar Weinberg wollen bewirtschaftet, zukunftsträchtige Entscheidungen getroffen werden: Welche Rebsorten kommen mit den veränderten klimatischen Bedingungen am besten zurecht? Welche werden von den Verbrauchern nachgefragt? Braucht es eine umfassende Bewässerung – und wie lässt sich die finanzieren?

„Ich bin ganz entspannt“, versichert Andre Hassold und seine Gestik und Mimik unterstreichen diese Aussage. Als Sprössling einer Winzerfamilie weiß er ganz genau, dass man als Winzer Jahr für Jahr mit den Unbilden des Wetters kämpfen muss und dass die letzten Tage und Wochen vor der Ernte entscheidend sind. „Natürlich wären zwei bis drei Tage Dauerregen jetzt ein Traum“, sagt Hassold. Die oberste, rund 25 Zentimeter tiefe Bodenschicht, ist völlig ausgetrocknet. Die jungen, drei bis vier Jahre alte Anlagen, versorgt er deshalb auch regelmäßig mit seiner Tröpfchenbewässerungsanlage. Die älteren Rebstöcke wurzeln tief genug und kommen nach wie vor ans Grundwasser heran. Wegen der Hitze und Trockenheit müssen die frühreifen Sorgen aber immer früher geerntet werden. „Ihnen fehlt damit wertvolle Zeit, um ihre typischen Aromen auszubilden“, erklärt der Winzermeister. Kühle Nächte und nicht zu heiße Tage wären dafür ideal. „Aber in den letzten Wochen waren schon die Nächte viel zu warm“, erinnert Hassold.

Ob der Bacchus angesichts dieser Bedingungen noch eine Zukunft hat? Etwa 50 Prozent Ausfall befürchtet er in diesem Jahr, auch der Müller-Thurgau leidet. „Auf der anderen Seite fragen unsere Kunden ganz gezielt diese Rebsorten nach“, erinnert er. Und: Nicht jedes Jahr ist wie das Jahr 2022. Im letzten Jahr war es deutlich kühler und regenreicher. Der Chardonnay, den seine Eltern vor rund zehn Jahren gepflanzt hatten, kam damit gar nicht gut zurecht. „Heuer ist er einer der Sieger“, so Hassold. Genauso wie der Silvaner, der scheinbar mit allen klimatischen Bedingungen gut zurechtkommt.

Anfang September wollen Andre Hassold und seine Mitarbeiter mit der Ernte beginnen. Zunächst wird Federweißen produziert, wann die ersten Trauben für die reguläre Weinernte geerntet werden, kann er noch nicht hundertprozentig sagen. Gerade die frühreifen Sorten wie Ortega oder Bacchus haben sich nicht gerade homogen entwickelt, an einer einzigen Traube hängen nicht selten vollreife und nur mäßig entwickelte Beeren. „Die Entscheidung für den bestmöglichen Erntestart wird heuer sicher nicht einfach“, prophezeit der 33-Jährige und nascht eine Beere vom Weinberg. „Aber dafür haben wir hier in Kitzingen einen der schönsten Standorte überhaupt für unseren Beruf.“ Viele Radtouristen und Gäste vom Wohnmobilstellplatz kommen zur Eherieder Mühle, die Nähe zu den Autobahnen tut ebenfalls gut. „Und Kitzingen hat sich in den letzten Jahren touristisch gut entwickelt“, lobt der 33-Jährige.