Bartholomäus Dietwar (1592-1670)

Geburtshaus Obere Kirchgasse 12

Bartholomäus Dietwar wurde am 7. September 1592 als Sohn des Kitzinger Glasmalers Elias Dietwar und dessen Frau Margareta, Tochter des Kitzinger Organisten Paul Brückner, in der Kirchgasse gegenüber dem katholischen Pfarrhaus geboren. Sein Vater Elias stammte aus Markelsheim und genoss als Glasmaler einen ausgezeichneten Ruf und fertigte im Auftrag des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter zahlreiche Glasmalereien für Kirchen und Klöster im Hochstift an. Wie viele andere Protestanten auch, zog Elias Dietwar 1588 aus Religionsgründen von Würzburg in das protestantische Kitzingen.

 

Der begabte Bartholomäus besuchte mit Erfolg die dreistufige städtische Lateinschule, eine Einrichtung der höheren Bildung, die auf ein Studium vorbereitete. 1611 schrieb er sich als Student der Theologie in Wittenberg ein, das Studium wurde ihm durch ein großzügiges städtisches Stipendium ermöglicht. Nach Abschluss seiner Studienzeit trat er 1617 die Pfarrstelle in Hoheim an, 1618 erfolgte die Hochzeit mit Maria Lehning, Witwe von Andreas Lehning, dem ehemaligen Pfarrer in Castell. Die Ehe sollte kinderlos bleiben.

Dietwar versah die Pfarrei Hoheim bis zum Übergang Kitzingens an das Hochstift Würzburg, der 1629 vollzogen wurde und die Auswanderung zahlreicher protestantischer Einwohner zur Folge hatte, sowie von Februar bis November des Jahres 1632, während der schwedischen Zwischenregierung. Von 1630 bis 1631 hatte er die Pfarrstelle in Stierhöfstetten inne.

Am 12. November 1632 berief ihn der damalige Kitzinger Bürgermeister Johann Steinmetz im Namen des Rats zum Kaplan in Kitzingen, am 26. Mai 1633 erfolgte die festliche Amtseinsetzung als Diakon. Knapp zwei Jahre später wendete sich wieder das politische Blatt und der seit 1634 verwitwete Dietwar musste auf Befehl des neuen Landesherrn, des Bischofs von Würzburg, wie alle anderen evangelischen Pfarrer die Stadt verlassen. Er zog ins Exil nach Mainbernheim und heiratete dort am 26. Mai 1635 Regina Zapff, die Tochter des Pfarrers zu Repperndorf und Buchbrunn.

Drei Jahre dauerte das Exil in Mainbernheim, dann wurde die Pfarrstelle in Gnodstadt frei und die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach beriefen Dietwar als neuen Pfarrer. Dieser trat seinen Dienst am 27. Februar an. In Gnodstadt wurde am 7. November 1638 sein erstes Kind geboren: ein Sohn mit Namen Johannes, der jedoch einige Monate später bereits verstarb. Das zwei Jahr später geborene Mädchen Barbara lebte ebenfalls nur wenige Wochen. Am 6. April 1642 kam das dritte Kind, Barbara, zur Welt und am 28. Dezember 1643 folgte die Geburt des Sohnes Johannes Vitus, der nur kurze Zeit lebte.

In seiner Chronik beschreibt Dietwar die sechs Jahre in Gnodstadt als eine Zeit mit „viel Armut, Elend, Mühen und Gefahren“, so dass die Familie überglücklich war, dass Dietwar als Pfarrer nach Segnitz abberufen wurde, wo er am 15. November 1644 seine erste Predigt hielt. Vier weitere Kinder, darunter Zwillinge, kamen in Segnitz zur Welt und alle drei verstarben innerhalb kürzester Zeit. Am 8. Juli 1658 verstarb nach langer Krankheit seine geliebte Frau Regina im Alter von 45 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt lebte von den acht Kindern nur die Tochter Barbara, sie führte ihrem Vater bis zu ihrer Vermählung 1663 den Haushalt.

Bartholomäus Dietwar versah sein Amt in Segnitz bis zum August 1670 ohne Gehilfen. Dann erkrankte er plötzlich an der roten Ruhr und verstarb am 20. August 1670 im Alter von 78 Jahren und wurde „mit höchster Bekümmernis seiner anvertrauten Schäflein bei gar volkreicher Frequenz der hiesigen und benachbarten Orte“ beerdigt. Er war 53 Jahre evangelischer Pfarrer gewesen.

Für seine Heimatstadt Kitzingen hat sich Bartholomäus Dietwar nicht nur als Seelsorger, sondern auch als Historiker große Verdienste erworben. So vollendete er 1665 das Werk „Historischer Bericht von dem Closter und Stadt Kitzingen in Francken“. Darin geht Dietwar auf die Geschichte (Gründung, Entwicklung, Wappen, Herrschaften, bedeutende Ereignisse und Gebäude) von Stadt und Kloster ein. In diesem Zusammenhang beschreibt er auch die Alte Mainbrücke mit ihren vielen Aufbauten wie Zollhaus, Brückenturm oder auch Naschkorb. Ein weiteres, höchst interessantes Kapitel trägt als Überschrift „Register über das heilig, löblich und würdig Heiligthum des Closters Kitzingen“. Darin verzeichnet Dietwar detailliert, an welchen Stellen sich die Reliquien des Klosters im Einzelnen befunden haben.

 

Seine 1648 geschriebene Chronik über das „Leben eines evangelischen Pfarrers im früheren markgräflichen Amte Kitzingen“ ist eine wertvolle zeitgenössische Beschreibung der Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges in Kitzingen. Sie ist reich geschmückt mit zahlreichen farbigen Zeichnungen, auf denen u.a. auch Dietwar selbst und seine Familie abgebildet sind. Dietwar beginnt seine Lebenserinnerungen mit dem Jahr seiner Geburt 1592 und endet 1669, einem Jahr vor seinem Tod. Er berichtet chronologisch über wichtige städtische und kirchliche, aber auch familiäre Ereignisse, z. B. über die Zusammensetzung des Stadtregiments, die Wahl eines neuen Dekans, Bauprojekte, das Wetter, Missernten, Preise, Teuerungen, Hungersnöte, Krankheiten (Pest), Todesfälle. Im Mittelpunkt steht jedoch eine sehr ausführliche Beschreibung der wichtigsten Ereignisse im Dreißigjährigen Krieg in Kitzingen und Umgebung, wie Musterungen, Einquartierungen, Plünderungen, Gefechte, Truppendurchzüge. Auch der Streit zwischen den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und dem Würzburger Fürstbischof um die Wiedereinlösung der verpfändeten Stadt Kitzingen, dessen Vorgeschichte sowie die Folgen der Rekatholisierung werden in längeren Abschnitten behandelt.

 

Literatur: Bartolomäus Dietwar. Leben eines evangelischen Pfarrers im früheren markgräflichen Amte Kitzingen von 1592 bis 1679. Mit erläuternden Zusätzen herausgegeben von Volkmar Wirth, II. Pfarrer in Mainbernheim. Kitzingen 1887.

 

Doris Badel

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