Johann Rudolph Glauber (1604-1670)

Wohnhaus in der Fischergasse 35

Johann Rudolph Glauber wurde am 10. März 1604 in Karlstadt am Main als Sohn eines Barbiers geboren. Er stammte aus einer kinderreichen Familie und verwaiste früh. In seiner Geburtsstadt besuchte er wahrscheinlich die Lateinschule und absolvierte eine Lehre als Apotheker. Im Alter von 21 Jahren erkrankte er an Typhus und wurde durch Quellwasser wieder gesund. Aufgrund dieser einschneidenden Lebenserfahrung beschloss er, die medizinische Heilkunst zum Wohle anderer Menschen zu erlernen. Er lebte und arbeitete unter anderem in Wien (1625), Salzburg, Gießen, Wertheim (1649–1651), Basel, Paris, Frankfurt am Main, Köln und Amsterdam.

Bereits seit 1660 litt Glauber an einer heimtückischen Krankheit, bei der es sich wohl um eine Vergiftung infolge seiner Experimente handelte. Letztendlich musste der durch seine Krankheit zeitweilig gelähmte und erblindete Chemiker 1668 die Einrichtung seines Laboratoriums und Teile seiner Bibliothek verkaufen, um seiner Familie das Überleben zu sichern. Seit 1666 war Glauber bettlägerig, er starb am 16. März 1670 in Amsterdam. In der Westerkerk von Amsterdam, seiner letzten Ruhestätte, erinnert eine Gedenktafel an sein Leben und Wirken.

 

Zwei Jahre - von 1652 bis 1654 - hatte Johann Rudolph Glauber sein Labor im ehemaligen Nonnenschlösschen der Benediktinerinnen und sein Wohnhaus in der Fischergasse 35 in Kitzingen. Er verfasste hier eine seiner wichtigsten Abhandlungen über die Herstellung von Weinstein, denn eine Sondergenehmigung des Würzburger Fürstbischofs Johann Philipp von Schönborn, eine Art Vorkaufsrecht, hatte ihm die manufakturmäßige Produktion von Weinstein aus den Fassschlämmen der Kitzinger Winzer ermöglicht.

Auch soll er gemäß der Kitzinger Erzähltradition in der 1623 in Kitzingen gegründeten Löwen-Apotheke am Marktplatz Heilmittel verkauft haben. Inwieweit er in diesem Fall eine Konzession benötigte, um als Apotheker tätig zu sein, ist nicht geklärt.

Seine Verteidigungsschriften gegen seinen früheren Freund aus der Kitzinger Zeit, den speyerischen Domschaffner Christoph Farner, mit dem er sich zerstritten hatte, sind die wesentliche Quelle, aus der sich seine Biographie rekonstruieren lässt! Anfeindungen durch die Kitzinger Küfer, die sich die Rohstoffquelle für den von ihnen gebrannten Hefeschnaps nicht nehmen lassen wollten, waren es wohl, die ihn dazu zwangen, seinen Wohnsitz in Kitzingen nach kurzer Zeit schon wieder aufzugeben. Er verließ 1654 Kitzingen und zog wieder nach Amsterdam. Dort hatte er ein großes Labor mit sechs Mitarbeitern und einen Garten in dem er die Mineraldünger untersuchte.

Heute noch erinnern Straßennamen und ein Schild an der Löwen-Apotheke an Glaubers Kitzinger Zeit. Diese engen Beziehungen Glaubers zu Kitzingen waren der Anlass für das Städtische Museum Kitzingen, sich dem Vorhaben der Konzipienten Prof. Dr. Helmut Gebelein, Justus-Liebig-Universität Gießen, und Dr. Rainer Werthmann, Kassel, Johann Rudolph Glauber eine Sonderausstellung zu widmen, gerne anzuschließen.

Begleitend zur Sonderausstellung arbeitete man an der Rekonstruktion eines Gewürzweins, nach den Rezepten Johann Rudolph Glaubers. Die Versuche, diesen Gewürzwein zu rekonstruieren, liefen ca. zwei Jahre. Mehrere Gärversuche, für welche die Kitzinger Firma Arauner gewonnen werden konnte, waren notwendig. In den regelmäßigen in der alten Apotheke des Städtischen Museums durchgeführten Weinproben wurden neue Ergebnisse zur Optimierung des Tröpfchens mit den beiden Wissenschaftlern Werthmann und Gebelein ausgetauscht, welche parallel an der Justus Liebig Universität in Gießen ebenfalls Gärversuche durchführten. Dabei ging es um die Dosierung und Vergärung der einzelnen Kräuter, allen voran Iriswurzel und Kardamon, sowie um die richtige Basis – welcher Wein, welcher Zuckergehalt?

 

Dieser Wein wurde dann im Februar 2008 das letzte Mal getestet und allgemein für gut befunden. Die „Labormäuse“ waren hierbei nicht nur die Museumsleiterin und Herr Apotheker Peter Ley, Löwen-Apotheke Kitzingen, sondern auch ausgewählte Pädagogen des Armin-Knab-Gymnasiums Kitzingen, die am Ende entschieden, welche der vielen Proben – ob herb oder bitter, trüb oder klar – letztlich in die Fläschchen kam.

Anzumerken ist: die Gärversuche und wiederholten Weinproben wurden mit bewundernswerter Geduld vom Geschäftsführer der Firma Arauner, Wolf Frh. v. Tautphoeus, persönlich begleitet – Ihm gilt der besondere Dank des Museums, denn immer wieder ließ er sich bereitwillig auf neue Experimente ein!

Der Glaubertrunk, mit Zertifikat, hergestellt und abgefüllt von der Kitzinger Firma Arauner, mit dem prämierten Logo-Entwurf von Theresa Lang, Siegerin des Etikettenwettbewerbs des Armin Knab Gymnasiums im Rahmen des „Glauber-Projekttags“ ist heute im Museumsshop erhältlich.



Stephanie Falkenstein 

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