Olga Pöhlmann (1880-1969)

Geburts- und Wohnhaus in der Mainstockheimerstr. 15

Olga Pöhlmann erblickte am 21. April 1880 als Tochter von Christoph Heinrich Krauß (1833-1903) und Klotilde Hermine Krauß, geborene Kuntze, in Kitzingen das Licht der Welt und verlebte hier ihre Jugendjahre. Sie entstammte einem alten Kitzinger Rangschiffergeschlecht, deren berühmtestes Mitglied der Rangschiffervorstand, Oberleutnant der Bürgerwehr und Magistratsrat Bernhard Krauß (1801-1878) war, Pöhlmanns Großvater.

Krauß segelte mit seinem Handelsschiff von Kitzingen bis nach Rotterdam und veröffentlichte 1842 seine Reiseerlebnisse in einem grauen Quartheftchen unter dem Titel „Meine Reise von Volkach-Kitzingen nach der holländischen Seestadt Rotterdam, mit dem Schiffe, genannt Ludwig I., König von Bayern, Ladungsfähigkeit 2925 Ztr., aus meinem Tagebuche von mir selbst zusammengestellt.“ Auch ihren Vater Christoph Heinrich Krauß, der von Beruf Exportkaufmann war, zog es bereits in jungen Jahren in die Fremde. Er gründete in London ein "Kaffee-Engrosgeschäft", das er 35 Jahre leitete.

 Stadtarchiv Kitzingen

Ihr erstes Gedicht schrieb Olga Krauß, wie sie damals noch hieß, bereits mit 14 Jahren, das Talent hatte ihr die Mutter vererbt. Klotilde Hermine Krauß stammte aus einer Familie, in der das Dichten, Schauspielern und Musizieren gang und gäbe war, obwohl der Vater als Advokat in Dresden tätig war. Die kleine Olga schrieb bereits als Kind leidenschaftlich Dramen für ihr Puppentheater. Im Alter von 17 Jahren hatte sie bereits eine beträchtliche Anzahl von Novellen verfasst, die bekanntesten dieser Jugendwerke wurden später im Bändchen "Fränkisches Mosaik" veröffentlicht.

Olga Pöhlmann hielt nach ihrer Heirat 1901 mit dem Nürnberger Theologen und Philosophen Prof. Dr. Johann Adam Pöhlmann ihrer Heimatstadt Kitzingen stets die Treue. Ihr Elternhaus hatte ihr Leben geprägt. Zwischen den Häusern Mainstockheimer Straße 15 und 17 erinnert eine Inschrift an der Toreinfahrt an „Peter Wilhelm Krauß erbauet 1828“. Die Dichterin schrieb in „Einige Worte über mich selbst“ folgendes über ihre Heimatverbundenheit: „In diesem Haus, am Main gelegen, bin ich geboren. Nicht geringen Einfluß auf meine Entwicklung besaß der heitere, lebhafte Fluß, der zu Zeiten der Eisschmelze sich plötzlich in einen reißenden Strom verwandeln kann. Menschen, die an einem Wasser geboren sind, werden wohl ihr ganzes Leben die Sehnsucht danach nicht mehr los."

 

Folgerichtig standen in einigen historischen Romanen Kitzingen und insbesondere der Main im Mittelpunkt. Erinnert sei nur an ihren bekannten, 1912 veröffentlichten ersten Roman „Die arme Stadt“ oder an den Kitzinger Schifferroman "Der Fluss“ (1964 erschienen), der den Aufstieg und Niedergang des Rangschiffergewerbes zum Thema hat. Der historische Roman „Die arme Stadt“, das für Kitzingen bedeutendste Werk, schlägt ein düsteres Kapitel der Kitzinger Geschichte auf: das blutige Gericht des Markgrafen Casimir nach der Niederschlagung des Bauernaufstandes 1525. Dies war ihr erster großer Erfolg als Romanschriftstellerin. Die Welt Frankens mit der reichen geschichtlichen Vergangenheit und die liebenswerten und originellen Gestalten fränkischen Volkstums hatten es ihr besonders angetan.

 Stadtmuseum Kitzingen

In Nürnberg schrieb Olga Pöhlmann neben historischen Romanen und zahlreichen Geschichten für Zeitungen und Zeitschriften noch Gedichte, Novellen, Essays und begeistert gelesene Jugendromane, zum Beispiel die spannende Jugendgeschichte der „Annette von Droste-Hülshoff“, einer Schriftstellerin und Komponistin des 19. Jahrhunderts. Ihr erfolgreichstes Buch war „Maria Sibylla Merian" (1935 erschienen, Auflage von fast 130.000 Stück war bereits 1957 erreicht), in dem sie die Lebensgeschichte der Naturforscherin und Malerin, die nach ihrer Heirat in Nürnberg lebte, schilderte. Erfolgreich waren auch ihre Bücher „Jan Swamerdam“, die Lebensgeschichte eines holländischen Arztes und Naturforschers (1941 erschienen), „Niklas Muffel. Ein Nürnberger Roman“ (1923 erschienen) oder „Käthe Hallerin“. Historische Treue, echte Lebensnähe und treffliche, einfühlsame Wiedergabe aller Geschehnisse zeichneten ihre Werke aus. Im Vorfeld ihrer historischen Romane und Lebensgeschichten verbrachte Pöhlmann unzählige Stunden in Archiven, studierte die Originalquellen und begab sich immer wieder auf längere Informationsreisen. Nichts durfte dem Zufall überlassen sein! Erst wenn es ihr gelungen war, das historische Fundament für einen Roman zu errichten, ließ Olga Pöhlmann ihre bewundernswerte schriftstellerische Fantasie walten.

Jahr für Jahr weilte die Schriftstellerin in ihrer Heimatstadt Kitzingen und las vor zahlreichen Zuhörern aus ihren Werken. Olga Pöhlmann verstarb am 17. Mai 1969 in Nürnberg. Eine besondere Ehrung erhielt die Dichterin, als 21 Jahre nach ihrem Tod im Nürnberger Stadtteil Mögeldorf eine Straße nach ihr benannt wurde. In Kitzingen wurde ihr diese Ehre vor Jahren im Neubaugebiet „Hammerstiel“ ebenfalls zuteil.

 

Sieben Jugendbücher, zahlreiche Essays und Novellen sowie zwei Dutzend historische Romane lassen die Schriftstellerin nicht in Vergessenheit geraten.

Eine Werkauswahl:

Die arme Stadt. Ein Zeitbild aus dem Bauernkrieg. 1912

Renate. Roman für junge Mädchen. 1918

Käthe Hallerin. Ein historischer Roman. 1919

Der Puppenspieler. Die Geschichte eines unmöglichen Menschen. 1921

Niklas Muffel. Ein Nürnberger Roman. 1924

Hans Kleeberg, der gute Deutsche.

Fränkisches Mosaik. 1928

Maria Sibylla Merian. 1935

Medard und die Frauen. 1936

Einsame Pfade. Die Jugend von Annette von Droste-Hülshoff. 1936

Drei Mädel auf einem Weg. Die Geschichte einer Freundschaft. 1937

Fahrt ins Leben. Ein Jungmädchenroman. 1938

Das tanzende Haus. Ein Jungmädchenroman. 1939

Die unentdeckte Welt. Der Weg des Arztes und Forschers Jan Swamerdam. 1941

Die Abwege der jungen Frau Vanhölt. 1949

Der junge König. 1950

Die Herzogin auf Holzschuhen. 1950

Karin in der Autofalle. 1963

Der Fluss. 1964

Drei Wege. Das Schicksal der Erika Holm.

Sterne, die sinken. (Roman)

 

Doris Badel

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