Sie wollen das ökologische Bewusstsein in der Siedlung stärken, ohne dabei den Zeigefinger zu heben. Jürgen Thorand und Jörg Dickert sind zwei von derzeit sieben Mitgliedern der frisch gegründeten Arbeitsgruppe „Grüne Siedlung“. Ihr Anliegen: Nach und nach neue Mitstreiter für die „grüne Sache“ gewinnen und den interessierten Bürgerinnen und Bürgern anhand von gelungenen Beispielen zeigen, wie ein (Vor-)Garten naturnah und doch pflegeleicht umgebaut werden kann.
„Die Siedlung ist schön“, sagt Jörg Dickert. „Aber sie könnte noch ein bisschen grüner sein.“ In der Armin-Knab-Straße, Nähe Baywa, hat er ein paar „verkümmerte Ecken“ entdeckt, ebenso am ehemaligen „Siedlerheim“, der Kleistplatz könne auch eine Wiederauffrischung vertragen und einige private Gärten haben mehr Schotter- als Grünflächen. „Wir möchten die Aufenthaltsqualität in unserem Stadtteil erhöhen“, sagt Jürgen Thorand. Und dafür wollen die beiden gebürtigen Siedler mit gutem Beispiel vorangehen.
Am Vatertag hatte die Arbeitsgruppe zu ihrem ersten öffentlichkeitswirksamen Projekt eingeladen: Thorand und Dickert waren bei der Veranstaltung „Von Garten zu Garten“ mit dabei. Fast 70 Besucherinnen und Besucher hatten Jürgen Thorand und seine Frau in ihrem Garten willkommen geheißen. Etwa genauso viele waren es bei Jörg Dickert. Auch bei den sieben anderen Siedlern, die ihre Gartentüren für ein paar Stunden öffneten, war der Zulauf gut. Geht es nach den beiden, wird die Aktion wiederholt. „Mich haben schon ein paar Siedler angesprochen, die beim nächsten Mal mitmachen wollen“, berichtet Thorand. Schöner Nebeneffekt der Aktion: Man kommt miteinander ins Gespräch, die Gemeinschaft wird gefördert. „Und natürlich geben wir nützliche Tipps und Anregungen.“
Erfahrungen haben die beiden Siedler haufenweise gesammelt. Jürgen Thorand hat erst kürzlich seinen Vorgarten als Themengarten „Präriestauden“ neu angelegt. 87 Schubkarren Erde hat er dafür ausgekoffert, viele Stunden Arbeit in die Neugestaltung gesteckt. 90 Pflanzen hat er mit dem Gärtner ausgewählt und darauf geachtet, dass sie nicht nur mit den klimatischen Herausforderungen zurechtkommen, sondern auch Nahrung für Insekten und einen Anreiz fürs menschliche Auge bieten. Neun Tonnen Kies hat er von der Kitzinger Firma LZR anliefern lassen und auf dem Beet verteilt. Der Pflegeaufwand ist ab jetzt gering, die Pflanzen brauchen vergleichsweise wenig Wasser. Erste blühende Boten sind schon zu erkennen: Indianernessel und Sonnenhut blühen neben patagonischem Eisenkraut und verschiedene Stauden. Anregungen und Tipps holt er sich einmal im Monat beim Staudenspaziergang (Staudengärtnerei Hofmann in Rödelsee). „Und die gebe ich gerne weiter“, versichert er.
Von Jürgen Thorand sind es nur rund hundert Meter bis zum Garten von Jörg Dickert – und doch ist es eine andere Welt. Dickert hat fast schon immer ein Faible fürs „Gärtnern“ gehabt, wahrscheinlich geerbt von den Eltern und Großeltern. (Die Siedlerhäuser wurden 1935 ursprünglich errichtet, um sich selbst zu versorgen.) „Mir macht es einfach Spaß, die Entwicklungen im Jahresverlauf zu sehen.“ Sein ganz eigener Zugang: Neues Leben in alte Dinge bringen. Seine Hochbeete hat er aus alten Brettern gebaut, aus den Holzabfällen hat er einen Totholzhaufen errichtet, in dem sich Wildbienen und andere Insekten heimisch fühlen. Die alten Backsteine hat er als Trockenmauern umfunktioniert und tüftelt immer wieder an ökologisch wertvollen Recycling-Ideen. Sein Ziel: Andere Bewohner der Siedlung nach und nach motivieren, ebenfalls naturnahe Gärten anzulegen. „Dabei wollen wir auf keinen Fall als Erzieher auftreten“, sagt er. „Sondern einfach unsere Ideen weitergeben und ein Netzwerk an interessierten Menschen aufbauen.
Natürlich soll auch die Stadt Kitzingen ihren Platz in dem Netzwerk finden. „Mit Claudia Ringhoff als Quartiersmanagerin und Caroline Wirsing haben wir bereits sehr gute Ansprechpartnerinnen“, sagt Jürgen Thorand und Jörg Dickert nickt. Das Stadtteilzentrum als Anlaufstelle biete eindeutig einen Mehrwert für die Siedler, sind die beiden überzeugt. Neue Ideen für ganz unterschiedliche Projekte und Aktionen werden dort besprochen und umgesetzt. So wie die Projektgruppe „Grüne Siedlung“ und der Bürger-Arbeitskreis. „Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen“, betont Jürgen Thorand und Jörg Dickert ergänzt: „Damit unsere Siedlung schöner und lebenswerter wird.“
Info
Zehn neue Bäume sollen in diesem Jahr in der Siedlung gepflanzt werden. So lautet jedenfalls der Wunsch der AG „Grüne Siedlung.“ Jürgen Thorand hat mit einer Elsbeere und einer Felsenbirne den Anfang gemacht.


