In insgesamt 13 Akten wird die Geschichte der Stadt lebendig – von der Gründung im Jahre 745 bis ins 20. Jahrhundert, als die Garnisonsstadt Kitzingen dank vieler Bars und Live-Musik auch als „Klein Las Vegas“ bekannt war. Die Stadtgeschichte wird in einem 3,5-stündigen Festspiel im Innenhof der Friedrich-Bernbeck-Schule inszeniert. Wer für Historie etwas übrig hat und Gefallen an Freilichtaufführungen findet, der sollte sich dieses Schauspiel nicht entgehen lassen. Die Aufführung findet nur alle 5 Jahre statt.
Heimatdichter Engelbert Bach hat die Häcker-Chronik kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben, unterstützt von Rudolf Cyperrek, Hanns Rupp und Dr. Fritz Sturm. Zum ersten Mal wurde sie 1951 aufgeführt, zur 1200-Jahres-Feier der Stadt. Danach war lange Pause. Ende der 1970er-Jahre startete der damalige Stadtrat einen neuen Versuch, die Häcker-Chronik sollte wiederbelebt werden.
Die Geschichte der Häcker-Chronik
Der Sage nach soll Kitzingen von Hadeloga, der Tochter König Pippins, im Jahre 745 gegründet worden sein. In einer stürmischen Nacht warf sie ihren Schleier vom naheliegenden Schwanberg in die dunkle Nacht hinaus und dort, wo man ihn fände, solle ein Kloster gebaut werden. Der Hirte Kitzo fand diesen Schleier und Hadeloga machte ihr Gelübde wahr. Eindrucksvoll wird diese Szene dargestellt, wenn Hadeloga hoch zu Ross weitsehend die Zukunft Kitzingens voraussagt.
Überaus große Freude herrschte, als das Dorf Kitzingen zur Stadt erhoben wurde, hatte man doch damit auch erhebliche finanzielle Vorteile. Dieses Ereignis und zwiespältige Reaktionen der Bürger werden szenisch eingefangen.
Bedeutende Personen hat Kitzingen in seiner langen Geschichte beherbergt. So fand Elisabeth von Thüringen im Kloster Zuflucht vor den Nachstellungen ihres Schwagers. Hedwig von Andechs, die spätere „Heilige Hedwig“ wurde im Kloster der Benediktinerinnen in Kitzingen erzogen und heiratete Heinrich I., den Herzog von Schlesien und Polen.
Florian Geyer, der fränkische Bauernführer, warb seine Truppen in Kitzingen und brachte damit großes Leid in die Stadt.
Kitzingen trägt als Wahrzeichen einen schiefen Turm. Die Legende besagt, dass im Jahre des Turmbaus 1471 ein sehr trockener Sommer war und anstelle des nicht vorhandenen Wassers, der im Überfluss vorhandene Wein zum Mauern genommen wurde. Eindrucksvoll und nachvollziehbar wird diese Begebenheit dargestellt.
Lange Zeit hatte Kitzingen kein eigenes Rathaus und war auf die Gunst der Äbtissin des Benediktinerinnenklosters angewiesen, die gnädig einen Raum in einer Holzbaracke auf Klostergrund zur Verfügung stellte. Erst 1563 konnte nach langwierigen Verhandlungen das Rathaus eingeweiht werden.
Auch der 30-jährige Krieg blieb nicht ohne Folgen für die Stadt und brachte sie an den Rand des Ruins. Die Schläue der Kitzinger Ratsherrn, gepaart mit Wein, bewahrte Stadt und Bevölkerung vor dem Schlimmsten.
Der Historie Kitzingen wurde auch in jüngster Zeit Rechnung getragen. Auf dem 50-DM-Schein war der Umriss der Kreuzkapelle zu sehen, die von Balthasar Neumann erbaut und 1745 durch den Würzburger Fürstbischof Carl-Friedrich von Schönborn unter dem großen Anteil der Kitzinger Bevölkerung eingeweiht wurde.
Ein weiteres Ereignis in der Geschichte der Stadt war der Bau der Eisenbahn im Jahr 1865. Die Kitzinger Rangschiffer fürchteten um ihre Existenz, da die Eisenbahn den Transport auf dem Main lahm legen würde. Ein heftiger Streit entbrannte zwischen Rangschiffern und Befürwortern der Eisenbahn.
Kurz vor Kriegsende ist Kitzingen wie viele andere Städte Deutschlands durch Bomben fast völlig zerstört worden. Ergreifend wird in einer Szene der Häcker-Chronik davon berichtet. Doch auch der Wiederaufbau und die Leistungen bis in die heutige Zeit werden in diesem historischen Spiel gewürdigt.
Der Einzug der Amerikaner bei Kriegsende und die berühmtberüchtigten Bars in Kitzingen, von denen die GI-Veteranen in Amerika auch heute noch zu erzählen wissen sowie der Abzug der Amerikaner im Jahr 2006, finden ebenfalls ihre Darstellung in der Kitzinger Häcker-Chronik.