Emotionen wecken, eigene Erinnerungen aufleben lassen, die Betrachter berühren: All das – und noch viel mehr – können gute Fotografen. Bei der Preisübergabe des diesjährigen Fotowettbewerbs der Stadt Kitzingen wurde das ersichtlich.
Oberbürgermeister Dr. Enis Tiz betonte im historischen Trausaal, dass Fotografieren eine Kunst sei. Gute Bilder würden eine Geschichte erzählen, bestenfalls sogar eine neue Perspektive und eine neue Welt erschließen. „Ihre Bilder machen etwas sichtbar, was andere Menschen zunächst einmal nicht sehen“, wandte er sich an die anwesenden Preisträger.
Parallel zur World-Press-Photo-Ausstellung ruft die Stadt Kitzingen Jahr für Jahr ambitionierte Hobbyfotografen zu einem Wettbewerb auf. Anlässlich der 20. Ausstellung im Frühjahr 2026 lautete das Thema „20!“ Ein abstraktes und dadurch durchaus herausforderndes Thema, wie Laudator und Jury-Mitglied Frank Freihofer meinte. Tatsächlich lag die Zahl der Einsendungen in diesem Jahr bei rund 80 – und damit unter dem Schnitt der letzten Jahre. Dafür hatten sich die Teilnehmer augenscheinlich eine Menge Gedanken gemacht, um das Thema bestmöglich als Bild umzusetzen. Am besten gelang das nach Ansicht der Jury Ad van Wagensveld aus Karbach. Einige Stunden habe er zusammen mit seiner Frau in die Aufnahme „Meine Liebe mit 20“ gesteckt, verriet der Mann, der auch 2025 schon den ersten Platz erringen konnte. Entstanden ist ein „emotional sehr berührendes“ Foto, wie Freihofer meinte. Der Blick des Betrachters wird dank der gelungenen Komposition geradezu zu dem Foto geführt, dass van Wagensvelds Frau in den Händen hält und ihren Mann im ersten gemeinsamen Urlaub vor einigen Jahrzehnten zeigt. „Ich war damals tatsächlich 20 Jahre jung“, versicherte van Wagensveld mit einem Augenzwinkern.
Eine spannende Geschichte steckt auch hinter dem Foto des Zweitplatzierten, André Knudsen. Der Würzburger hat sich auf die Spuren seines Vaters auf die Nordseeinsel Pellworm begeben. Tagelang hat er dort Erinnerungsstücke wie „Omas Topf“ fotografiert und dabei auch seine eigene Vergangenheit noch einmal durchlebt, wie er bei der Preisübergabe berichtete. Als Kind hat er Omas Nachspeise aus Mehl geliebt – die genau in diesem Topf liebevoll hergestellt worden ist. Der Drittplatzierte, Robert Zimmer aus Saarbrücken, war bei der Preisverleihung nicht zugegen. Dafür aber Ehrenfried Schüller, Edwin Fuchs und Dr. Ekkehard Römmelt, die ebenfalls unter den besten Zehn landeten. Von einem „großartigen Porträt“ sprach Freihofer angesichts Schüllers Aufnahme des Musikers Johannes Enders in einem Jazz-Club in Neuburg. Edwin Fuchs ist in Budapest ein „formal sehr ansprechendes Bild“ einer Erinnerungs-Skulptur gelungen und Dr. Ekkehard Römmelt hat in den Ruinen einer alten Schwanfelder Brauerei eine Kältemaschine im richtigen Licht und Ausschnitt abgebildet.
Im nächsten Frühjahr wird die World-Press-Photo-Ausstellung zum 21. Mal nacheinander in der Kitzinger Rathaushalle zu sehen sein. Auch dann wird es wieder einen städtischen Fotowettbewerb geben. Eines steht jetzt schon fest. Das Thema wird dann sicher nicht „21“ lauten.
Die Gewinner und die Preise:
Hauptgewinn Ad van Wagensveld: 2 Übernachtungen in einem Kitzinger Hotel, 1x Gutschein für zwei Personen fürs Aqua Sole und 1x Eintritt für zwei Personen fürs Deutsche Fastnachtmuseum
2. Platz André Knudsen: 100 € Schexs in the City
3. Platz Robert Zimmer: 50 € Wertgutschein Aqua-Sole
4. Platz Eddi Kieser: 25 € Wertgutschein Aqua-Sole
5. Platz Ad van Wagensveld
6. Platz Ehrenfried Schüller
7. Platz: Matthias Ernst – jeweils ein World-Press-Photo Katalog
8. Platz Robert Zimmer
9. Platz: Edwin Fuchs
10. Platz Dr. Ekkehard Römmelt - jeweils Gästeführerwein.
