Bauprojekt

Ein bedeutender Tag

Für den Geschäftsführer der Bayerischen Staatsgüter war es das wichtigste Ereignis des Jahres, für den Geschäftsführer des Landesverbands der Bayerischen Geflügelwirtschaft ein bedeutender Tag für die gesamte deutsche Geflügelzucht und für Oberbürgermeister Dr. Enis Tiz ein weiterer Tag mit neuen Erkenntnissen: Am Mittwoch, 30. September, erfolgte der Spatenstich für den Neubau der Brüterei am Staatsgut Kitzingen.

Mitten in der Kitzinger Siedlung liegt eine rund 6,3 Hektar große Fläche. Hühner scharren im Gras, Gänse watscheln über grüne Wiesen. In den Stallungen wird Forschungsarbeit betrieben. „Die Geflügelbranche boomt“, sagt Franz Beringer. Anders als bei Schweine- und Rindfleisch wachsen die Bestände. Die Nachfrage bei den Konsumenten ist da. Forschungs- und Bildungsarbeit ist gerade deshalb wichtig: In Kitzingen werden regelmäßig Schulungen für angehende Tierwirte Fachrichtung Geflügel und auch Betriebsleiter abgehalten und die kommen aus ganz Deutschland. „Weil es kaum noch Fortbildungsangebote gibt“, erklärt Thomas Schwarzmann, Leiter der Staatsgüter Kitzingen und Schwarzenau. In Südbayern ist Kitzingen mittlerweile der einzige Standort. Hot-Spot der Geflügelbranche, sozusagen.

Rund 20 Menschen sind hier beschäftigt. Sie kümmern sich um die Tiere und deren Stallungen und gehen aktuellen Fragen der Geflügelhaltung nach: Wie lässt sich das Tierwohl verbessern? Wie sieht eine Nährstoffangepasste Fütterung aus? Welche Haltungsdauer ist optimal und wie lässt sich die Legeperiode optimieren? „Kitzingen ist ein Knotenpunkt der Geflügelforschung“, sagt Anton Dippold, Geschäftsführer der Bayerischen Staatsgüter. Ein Ort, an dem Geflügelfachberater ausgebildet werden, wo Wissen vermittelt und von hier aus in die Lande ausgebreitet wird. Dafür braucht es moderne Bedingungen – und die werden mit dem Neubau der Brüterei und dem Legehennenstall geschaffen.

60 Jahre alt ist die bestehende Brüterei. Moderne Forschung und Bildung ist hier nur bedingt möglich. „Mit dem Neubau beginnt ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung des Kitzinger Geflügelstandortes“, sagt Thomas Schwarzmann. Nach und nach entsteht ein Bau mit einer Grundfläche von 400 Quadratmetern. Geplant ist ein Hybridbau aus Stahlbetonsockel und Holzrahmenbauwänden. Für Heizung und Kühlung kommen Klimageräte zum Einsatz. Die neue Brüterei markiert den ersten Bauabschnitt. Sie erhält zwei Bruträume mit je 60 Quadratmeter Fläche sowie einen etwa zehn Quadratmeter großen Vorraum. Zwei Bürocontainer und notwendige Funktionsräume wie Dusche, Umkleiden und WC ergänzen das Gebäude. „Es dient zunächst als Ausweichquartier für die Sortierung der Eier“, erklärt Rene Müller vom beauftragten Architekturbüro Roth und Partner. Temperatur, Lüftung und weitere Rahmenbedingungen lassen sich hier gezielt steuern. Nach der Übergangsnutzung wird es seiner eigentlichen Aufgabe als Brüterei überführt. Der Baubeginn für den Bildungs- und Forschungsstall für Legehennen ist für Mitte 2027 vorgesehen.

Oberbürgermeister Dr. Enis Tiz zeigte sich vom Elan der Mitarbeiter und dem Forschungszentrum mitten in Kitzingen begeistert. „Als Laie sieht man die Bestrebungen und Anstrengungen in dieser Branche gar nicht“, meinte er. Aber gerade in diesen Zeiten sei es wichtig, mit angewandter Wissenschaft Grundlagenarbeit zu betreiben, Haltungsformen zu überdenken und neues Wissen zu vermitteln. Dass die Teilnehmer der Bildungsangebote, insbesondere der Meisterausbildung aus ganz Deutschland kommen, sei für die Stadt Kitzingen ein Glücksfall und eine Ehre. 

 

Info: Seit 1917 besteht das Staatsgut Kitzingen. Geforscht wird an und mit Legehennen, Junghennen, Masthühner, Puten, Mastelterntiere und Gänsen. Zum Staatsgut gehören neben den Ställen eine Brüterei, eine Packstelle und eine eigene Geflügelschlachterei. Die am Standort erzeugten Produkte werden über den Hofladen und einen Verkaufsautomaten vermarktet.

 

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