Sie legen sich mächtig ins Zeug, um die deutsche Sprache zu lernen. 700 einzelne Unterrichtseinheiten sind in jedem Integrationskurs vorgesehen. Parallel gibt es wertvolle Informationen zum deutschen Staat, seiner Historie und Gegenwart, zu den gesellschaftlichen Strukturen und der Politik. Zum Abschluss ist eine Exkursion für alle Teilnehmer vorgesehen. Und die führt die Menschen aus Syrien, Albanien, Mazedonien, Indien, der Ukraine und vielen anderen Nationen an die wichtigsten Orte Kitzingens.
Falterturm, Alter Friedhof, Rathaus, Marktplatz, Alte Mainbrücke: Die rund 20 Teilnehmer jedes Kurses erhalten intensive Einblicke in die Geschichte und Gegenwart der Stadt. Bürgermeister und Hofrat Walter Vierrether übernimmt die Führungen und es ist schwer zu sagen, wer nach dem zweistündigen Rundgang mehr begeistert ist: der erfahrene Gästeführer oder sein internationales Publikum. „Es ist einfach schön zu sehen, wie groß das Interesse der Menschen an unserer Stadt ist und wie aufmerksam sie all die Informationen aufnehmen“, sagt Vierrether. Von der Gründung der Stadt bis in die jüngere Vergangenheit und Gegenwart reicht das lebendige Unterrichtsprogramm - garniert mit persönlichen Anekdoten des Kitzinger Urgesteins. Die Heimat der Vhs – der Luitpoldbau – wurde bis in die 1960er-Jahre als Badeanstalt genutzt. „Und weil wir daheim zehn Kinder waren, war ich jedes Mal stolz, wenn ich mit meinem Papa hierher zum Baden kommen durfte“, erzählte Vierrether. Ein Besuch in der PAM-Ausstellung im Rathaus durfte nicht fehlen und die Gäste staunten nicht schlecht, wie lebendig und wild das Nachtleben in Kitzingen vor ein paar Jahrzehnten war. Auf Wunsch der Teilnehmer ging es zum Abschluss in die katholische Kirche, wo Kerzen für die Opfer des russischen Angriffskrieges in der Ukraine entzündet wurden.
Vier Integrationskurse bietet die Vhs derzeit parallel an, etwa 80 Menschen lernen dort die deutsche Sprache und legen zum Abschluss eine Prüfung ab. Mit dem bestandenen B1-Sprachniveau und dem entsprechenden Zertifikat weisen sie fortgeschrittene Sprachkenntnisse nach. Und so steigen die Chancen, auch einen Arbeitsplatz in der Region zu finden. Vhs-Leiter Kilian Halbig bedauert, dass das BAMF die freiwillige Teilnahme an Integrationskursen in diesem Jahr stark eingeschränkt hat. Viele Menschen hätten dadurch keinen Zugang mehr zu einem geförderten Sprachkurs. Inwieweit diese Einschränkung künftig wieder gelockert wird, ist derzeit unklar. „Damit verlieren diese Menschen eine wichtige Möglichkeit, die deutsche Sprache zu erlernen. Das erschwert auch ihre Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt.“
